Dieses Jahr sieht es also schlecht aus mit dem Koriander, innerhalb von zwei Nächten abgefressen. Da gehen wir den Koriander eben im Supermarkt kaufen. Was würde man denn jetzt machen, wäre man auf diese Pflanze angewiesen? Als Ernährung oder als Produkt, was man verkaufen möchte. Die Schnecken vernichten, oder den Gemüseanbau aufgeben und sich „richtige“ Arbeit suchen?
Daraus ergibt sich die Frage: kann es in der Gartenutopie um Erträge gehen? Sicher, Holunderblüten und Schnittlauch sind ausreichend vorhanden, aber sich so richtig satt essen an 10 Salaten und 10 Kohlrabi? Nein, darum geht es uns nicht! Viele Fragen gehen uns durch den Kopf. Wie wollen wir in Städten zusammenleben? Wie können Städte nachhaltig versorgt werden? Wo ist noch Platz für Tiere in unserer Welt? Dafür haben wir die Gartenutopie gegründet, inspiriert vom Buch „Gärtnern im Biotop mit Mensch“. Und das Biotop wird Zeit brauchen. Bis die Vogelschutzhecke wirklich Vögeln Schutz und Nahrung bietet, werden 3-5 Jahre vergehen. Die Walnussbäume werden in 10 Jahren Früchte tragen. Den Humusgehalt im Boden werden wir nur durch kontinuierliche Arbeiten in den nächsten Jahren verbessern. „Urban gardening“ wird da nicht ausreichen. Ein Trend, ein schickes Projekt, aber nur diese Saison? Mit Erde aus dem Baumarkt? Wer pflanzt, muss auch gießen, sonst geht die Pflanze wieder ein. Ich kann es nur immer wieder betonen, ein Garten ist ein langfristiges Projekt; ein Garten sollte keine temporäre „Zwischennutzung sein“. Was ist denn dann die Endnutzung? Kapitalistische Verwertung mit höchstmöglicher Rendite? Die Enthusiasten pflegen und planen und machen und tun, und dann kommt der Investor?